Interview mit Freelancer Isabel

Interview mit Freelancer Isabel

Isabel sprach mit Movemeon darüber warum sie gerne Projekte in Start-ups annimmt, wie sie Work-Life Balance als Freelancer sieht und warum sie findet, dass man Freelancing am besten einfach ausprobiert.

Wie hast du mit Freelancing gestartet? 

Ich war bereits vor meiner Tätigkeit als Freelancer selbstständig und hatte ein eigenes Start-up. Anfang 2019 habe ich mich entschlossen mein Start-up zu verlassen und freiberuflich als Beraterin und Interims Managerin zu arbeiten. Da ich zuvor bei BCG gearbeitet habe, war ich mit dem Konzept von Projektarbeit vertraut. 

Das Arbeiten als Freelancer passte für mich einfach – damals wie heute: Ich mag projektbasiertes Arbeiten und immer wieder mit neuen Kollegen an neuen Herausforderungen zu arbeiten. Da ich bereits vorher selbstständig war, weiß und wusste ich mit der (gefühlten) Unsicherheit und einem nicht immer konstanten Einkommen umzugehen. Mein erstes Freelance-Projekt war im Digital-Umfeld einer großen  Airline, was sehr spannend war.

Was sind für dich die Vorteile von Freelance-Arbeit?

Bevor ich diese Frage beantworte vorab ein kleiner “Disclaimer”: Ich habe beobachtet, dass viele Leute, die in Start-ups oder als Freelancer arbeiten oft das Gefühl vermitteln, dies sei der einzige Weg im Berufsleben glücklich zu werden. Diese Einschätzung teile ich so nicht, sondern denke vielmehr, dass die eigene Zufriedenheit – ob als Freelancer, Gründer oder Festangestellter – wesentlich davon abhängt, was man möchte und wie wohl man sich mit Unsicherheit und in einem stetig neuen Arbeitsumfeld fühlt. 

Da ich schon vorher selbstständig war, wusste ich zu meinem Start als Freelancer bereits mit der (gefühlten) Unsicherheit umzugehen. Das war aber auch für mich davor kein einfacher Prozess als ich aus meiner Festanstellung rausgegangen und mein Startup gegründet habe. Ich denke die Frage der Unsicherheit ist auch viel eine Frage der Perspektive: Für mich hat die Corona-Krise nochmal verdeutlicht, dass auch eine Festanstellung nie zu 100 % “sicher” ist – sie fühlt sich aber vermutlich für viele sicherer an. 

Um aber auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Ein wesentlicher Vorteil des Freelancings für mich ist die Vereinbarkeit von meinen privaten Ambitionen mit meinem Beruf. Ich schätze es sehr, dass ich mir als Freelancer längere Auszeiten nehmen kann und die Möglichkeit habe mich in diesen voll und ganz auf private Projekte zu konzentrieren. Ich arbeite gerne z.B. ein halbes Jahr auf einem intensiven Projekt und nehme mir dann 3 Monate Auszeit. Für mich funktioniert das sehr gut, da ich mich gerne zu einem gegeben Zeitpunkt auf ein Ziel, Thema oder Lebensbereich fokussiere und diesem dann aus meiner Sicht besser gerecht werden kann. Da die Arbeitsbelastung während eines Projekts doch meist höher und intensiver ist als in einem klassischen “9-to-5” Job, geben mir die Auszeiten zwischen meinen Projekten zudem die Möglichkeit wieder “aufzutanken”. 

Ansonsten mag ich am Freelancing, dass ich immer wieder an neuen Themen arbeite  – das liegt in der Natur des Freelancings. Mit jedem neuen Projekt ist man gezwungen sich wieder in ein (teilweise) neues Thema mit neuen Kolleg/innen einzuarbeiten. Das sollte man meiner Meinung nach mögen, wenn man sich für das Freelancing oder Projektarbeit im Allgemeinen entscheidet –  für meine Mutter zum Beispiel wäre das nicht das Richtige, was ja auch vollkommen ok ist. 

Was sind deine Lieblingsprojekte? Wie wählst du ein Projekt aus?

Nun ja, es ist in der Regel nicht so, dass man als Freelancer ständig die Auswahl aus hunderten Projekten hat, aus denen man sich sein Lieblingsprojekt aussuchen kann und für dieses dann auch in jedem Fall den Zuschlag bekommt. Bei mir ist es meist eine Mischung aus Opportunität und Ausschlussverfahren, da ich manche Themen nicht anbiete. Ich akquiriere Projekte entweder über mein Netzwerk oder über Plattformen wie Movemeon etc. Über die Plattformen erhält man, gerade wenn man gerade erst mit dem Freelancing beginnt, leichter Zugang zu größeren Kunden und Projekten außerhalb des eigenen Netzwerks. 

Am liebsten mag ich Projekte in denen man wirklich die “Ärmel hochkrempeln” und schnell etwas bewirken kann. Meiner Erfahrung nach ist das bei Startups und kleineren Unternehmen eher gegeben als bei großen, manchmal etwas behäbigen Konzernen. Grundsätzlich mache ich zwei Arten von Projekten: Interims Management, meist im Operations-Bereich, für Startups oder klassische Strategie-Projekte meist im Team-Setup zusammen mit anderen Beratern für große (Konzern-)Kunden. Tendenziell finde ich, dass man in Start-ups seinen Impact besser und schneller sieht. Das mag ich. In großen Konzernen sind die Projekte und Entscheidungswege oft länger und involvieren mehr Politik. Das kann aber von Kunde zu Kunde auch wieder ganz anders aussehen.  

Durch meinen Hintergrund im Maschinenbau, arbeite ich viel mit Industrie- und Tech-Kunden zusammen. Ich bin insbesondere im operativen Bereich und in der schnellen Umsetzung von wichtigen Themen sehr gut. Hier kann ich für meine Kunden den größten Mehrwert schaffen. Das ist mir wichtig. 

Ob ein Projekt am Ende Spaß macht hängt für mich ganz wesentlichen von den Menschen ab, mit denen ich zusammenarbeite. Daher ist für mich ein guter Personal Fit essentiell. Dieser ist zugegebenermaßen teils schwer im Vorfeld komplett abzuschätzen – ich hatte bislang aber eigentlich immer Glück. 

Bist du für ein sehr spannendes Projekt bei deinen Konditionen flexibel? 

Nein – Ich bin in einem gewissen Rahmen über meinen Tagessatz zu sprechen, wenn ein Kunde aufgrund der Unternehmensart oder -situation gewisse Budgetbeschränkungen hat, z.B. bei Start-ups. Das hat aber nichts damit zu tun, ob ich ein Projekt spannend finde oder nicht, und das sollte es meiner Meinung nach auch nicht. Grundsätzlich sehe ich es so, dass ich eine gewisse Leistung anbiete und die einen (Markt-)Preis hat – der hängt nicht von meiner persönlichen Präferenz ab. Relativ zu dem großen Strategieberatungen gesehen, aus denen viele Freelancer – so auch ich – kommen, ist ein Freelance-Tagessatz auf demselben Senioritäts-Level i.d.R. jedoch meist günstiger. 

Für mich hat es sich bewährt in der Planung meiner privaten Projekte und Auszeiten sehr hart zu sein. Es fällt immer leicht die geplante Reise oder die anvisierte Weiterbildung direkt zu verschieben oder abzusagen, wenn der Kunde “ruft”. Wenn ich das immer tun würde, dann ginge das Konzept Freelancing, so wie ich es schätze, für mich nicht mehr auf. 

Was sind deine Tipps für Consultants, die mit Freelancing beginnen?

Ich finde es spricht erstmal nichts dagegen das Ganze ergebnisoffen auszuprobieren. Was man auf jeden Fall bekommt ist eine ganze Menge an neuen Erfahrungen, Learnings und Erkenntnis über sich selbst – das war zumindest bei mir der Fall. Man muss ja gar nicht sofort entscheiden, ob man für immer freiberuflich arbeiten will, sondern nur, ob man es einmal testen möchte. Wenn man die Entscheidung so framet, nimmt man ein bisschen die Schwere und vermeintliche Tragweite heraus. Wenn es einem dann nicht gefällt, gibt es die Option der Festanstellung ja immer noch. Ich denke in der aktuellen Arbeitsmarktsituation muss sich wirklich keiner, der ein gutes Profil hat (und das sind meiner Erfahrung nach meist die, die sich für Freelancing interessieren) Sorgen machen, dass er oder sie keinen Job findet. 

Wenn man für sich entschieden hat, dass man Freelancing einmal testen möchte, dann würde ich empfehlen sich bei den einschlägigen Portalen wie z.B. auch Movemeon anzumelden. So bekommt man schnell ein Gefühl für den Markt und die Höhe der Tagessätze. Gerade für das eigene Pricing ist es ist meiner Meinung nach wichtig zu verstehen welches Profil man hat und für wie viel solche Profile “gehandelt” werden. Was man meiner Meinung nach nicht machen sollte ist in irgendeiner Weise sein (letztes) Gehalt in der Festanstellung auf Tage runterzurechnen – das ist einfach nicht vergleichbar und kann meiner Meinung nach noch nicht mal dazu dienen eine Untergrenze festzulegen. 

Was ich jedem empfehlen würde, der sich als Einzelunternehmer selbständig macht und vorher angestellt war, ist eine freiwillige Arbeitslosenversicherung bzw. ein sogenanntes “Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag” abzuschließen. Das ist nur innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit möglich. ist man für einen kleinen monatlichen Betrag gegen Arbeitslosigkeit (was im Falle von Freelancing Projektlosigkeit bedeutet) versichert, was zumindest mir ein gutes Gefühl gibt. . 

Für mich hat sich darüber hinaus die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater bewährt. Nicht weil ich es nicht auch irgendwie selbst machen könnte, sondern weil es mir eine Aufgabe abnimmt, in der ich weder Experte bin noch die mir Spaß macht. 

Wer länger freiberuflich arbeitet sollte sich irgendwann auch um das Thema Altersvorsorge kümmern. Meiner Meinung nach ist das aber nichts, dass man direkt zu Beginn angehen muss oder sollte. Am Anfang ist es ja nur ein Test. 

Zusammengefasst kann ich für mich sagen, dass ich die Arbeitsweise von Freelancing wirklich toll finde. Das liegt daran, weil für mich viele Dinge erfüllt werden, die mir persönlich wichtig sind. Welche Dinge das sind und ob Freelancing vor diesem Hintergrund das richtige ist und zu einem passt, muss aber jeder für sich selbst herausfinden. Folgende Fragen können ein guter Startpunkt sein, um zu entscheiden, ob man Freelancing einmal testen möchte: 

  • Warum und was will ich verändern? 
  • Was ist mir beruflich und privat wichtig? Wie passt Freelancing dazu?
  • Wie gehe ich mit Unsicherheit und Veränderung um?

Wenn dich Freelancing – aus welchen Gründen auch immer – reizt und du eine Chance siehst, dass es für dich gut passen könnte, dann solltest du es meiner Meinung nach einfach ausprobieren. Selbst wenn es am Ende nicht das Richtige war und du danach etwas ganz anderes machst, dann hast du dennoch etwas gelernt. 

Welche Vorteile siehst du für Unternehmen Freelancer zu beschäftigen?

Flexibilität, schnelle Verfügbarkeit und eine dedizierte, fokussiert Ressource. Mein Blick auf den “Use Case” von Freelancern ist nicht so sehr, dass es im Unternehmen niemand anderen gibt, der ein Projekt umsetzen könnte und nur ein Freelancer dies bewältigen kann. Meistens gibt es auch im Unternehmen jemanden, der die Skills hat ein Projekt umzusetzen. In der Regel erfüllt diese Person aber bereits eine Linienfunktion und hat weder die Kapazität noch den Fokus für ein zusätzliches Projekt. Hier kann es für Unternehmen vorteilhaft sein einen Freelancer speziell für ein Projekt auszuwählen und zu beschäftigen, der sich voll und ganz auf das Projekt konzentriert. Meiner Erfahrung nach führt das schneller zu besseren Ergebnissen. 

Was ich zudem immer befürworte und empfehle ist ein Pairing von internen und externen Ressourcen.  

Was sollten Unternehmen beachten, wenn sie zum ersten Mal mit einem Freelancer zusammenarbeiten?

Ich finde es wichtig, dass es ein klare Zielsetzung gibt, was erreicht werden soll. Es kann für beide Seiten sehr mühsam sein, wenn Klienten zu Projektbeginn gar nicht wirklich wissen was sie eigentlich wollen. 

Ansonsten sehe ich mich als Freelancer für die Zeit meines Engagements als Teil des Teams und freue mich, wenn ich auch so gesehen werde. Ich finde gegenseitige Wertschätzung und ein gutes Arbeitsklima auch in einem Freelance-Setup super wichtig und bin überzeugt, dass so zu arbeiten nicht nur mehr Spaß macht, sondern auch bessere Ergebnisse liefert. 

Wichtig ist, dass es Zeit für regelmäßige Check-ins gibt; es ist sehr schwierig und ineffizient wenn der/die Auftraggeber/in im Laufe des Projekts gar nicht oder kaum noch erreichbar ist. Regelmäßiger Austausch ist wichtig um sicherzustellen, dass das Projekt auf Kurs bleibt und die Ziele weiterhin abgestimmt sind. 

Wie oben bereits gesagt, finden ich ein Pairing von Freelancer mit einen internen Mitarbeiter des Unternehmens extrem vorteilhaft. Immerhin kennt man als Freelancer das Unternehmen und die Stakeholder nicht im Detail. Da ist es sehr hilfreich mit einem/r internen Mitarbeiter/in zusammenzuarbeiten, der oder die das kompensieren kann. Meiner Erfahrung nach kann die Zusammenarbeit mit einem Freelancer auch für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin sehr bereichernd sein.

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