Interview mit Freelancer Julian

Interview mit Freelancer Julian

Julian sprach mit Movemeon darüber wie man sich als Freelancer*in vermarket und wie er sich die Zukunft des Freelancings vorstellt. 

Wie hast Du mit Freelancing losgelegt? 

Bevor ich mit dem Freelancing begonnen habe, war ich mehrere Jahre als “klassischer” Unternehmensberater tätig. Ich war zunächst fünf Jahre bei Accenture Strategy und zuletzt bei einer Boutique-Beratung mit Fokus auf Digitale Transformation. Die Beratertätigkeit als solche hat mir immer schon enorm viel Spaß gemacht, aber nach sieben Jahren wollte ich mehr Selbstbestimmung und Flexibilität. Mir war wichtig, meine Projekte selbst aussuchen zu können und auch die Art und Weise wie ich arbeite selbst zu bestimmen. 

Wie wählst Du Freelance Projekte aus?

Zunächst muss ein Projekt für mich eine spannende Herausforderung darstellen. Mich reizen insbesondere Fragestellungen, die noch etwas unkonkret sind und erst einmal strukturiert und durchdacht werden müssen. Genauso wichtig ist mir die menschliche Komponente, daher muss für mich die Chemie zu meinen Klienten stimmen. Ich will von Anfang an in einem vertrauensvollen und offenen Kontext arbeiten. Darüber hinaus lege ich Wert auf ein gewisses Maß an Abwechslung zwischen den Projekten, sowohl was Branchen als auch die Natur der jeweiligen Fragestellung betrifft. 

Wenn sich jemand überlegt mit dem Freelancing zu beginnen, welche Tipps würdest Du geben?

Aus meiner Erfahrung sind hier vier Dinge besonders wichtig. Erstens sollte man sich fragen, ob eine Tätigkeit als Freelancer grundsätzlich zu einem selbst sowie zur jeweiligen Lebenssituation passt. Neben vielen Vorteilen gegenüber einer Festanstellung gibt es natürlich auch Nachteile, etwa das höhere Maß an Unsicherheit, was Aufträge und Auslastung angeht.

Zweitens sollte man sich genau überlegen, für was man als Freelancer steht. Man sollte klar beschreiben können, welchen Mehrwert man durch seine Arbeit liefert. Damit verbunden sollte man sich fragen, wie man unter einer Vielzahl von Freelancern herausstechen kann, insbesondere wenn man ein eher generalistisches Profil hat.

Drittens sollte man mit einem gesunden Selbstbewusstsein an die Sache gehen. Nur weil man keinen großen Namen mehr im Rücken hat, sollte man bei Verhandlungen oder Abstimmungen nicht weniger selbstsicher auftreten. Schließlich haben Freelancer für Auftraggeber auch Vorteile gegenüber den “klassischen” Beratungen.

Schlussendlich muss man sich natürlich überlegen, wie man sich eine Pipeline für Projekte aufbaut. Da helfen Plattformen wie Movemeon ungemein, aber nach meiner Erfahrung lässt sich ein gutes Netzwerk durch nichts ersetzen, da persönliche Empfehlungen und Referenzen im Freelancing enorm wichtig sind. 

Was sind Deiner Meinung nach die Vorteile für Unternehmen eine*n Freelancer*in zu engagieren? 

Ein großer Vorteil ist zunächst die Flexibilität: Freelancer können schnell und punktuell unterstützen, auch bei kurzen Projekten, die für “klassische” Beratungen häufig wenig attraktiv sind. Zudem kann man sich als Unternehmen so einen Pool an Experten für unterschiedliche Themenbereiche aufbauen und diese bei Bedarf heranziehen.

Ein weiterer Vorteil ist aus meiner Sicht die Kostenseite. Die Tagessätze, die Freelancer aufrufen, enthalten in der Regel keine Overhead-Kosten. Da viele Freelancer hervorragend ausgebildet sind und Erfahrung aus renommierten Beratungen mitbringen, bekommt man vereinfacht gesagt die gleiche Leistung zum besseren Tagessatz. Das kann man natürlich nicht 1:1 vergleichen, da Freelancer in den meisten Fällen auch keinen Zugriff auf interne Research- oder Back-Office-Funktionen haben. Nach meiner Erfahrung sind diese Funktionen aber auch nicht bei jedem Projekt zwingend erforderlich. 

Was sind Deine Tipps für Unternehmen, die zum ersten Mal mit einem*r Freelancer*in arbeiten?

Besonders wichtig ist aus meiner Sicht vor Projektbeginn Umfang und Ziele des Projekts gemeinsam abzustecken, sodass für beide Seiten die Erwartungshaltung klar ist. Ich führe dazu etwa vor jedem Projekt ein Scoping-Gespräch und nutze die Ergebnisse als Grundlage für das Projektangebot an den Klienten.

Daneben sind eine Reihe von Punkten wichtig, die aus meiner Sicht grundsätzlich bei der Arbeit mit externen Beratern gelten. Benötigte Dokumente oder Interviewpartner sollten beispielsweise rechtzeitig angefragt werden. Darüber hinaus sollten interne Ressourcen, etwa zur Abstimmung oder für die Präsentation von Ergebnissen, eingeplant werden.

Wie siehst Du die Zukunft des Freelancings?

Ich denke, die Nachfrage wird weitere steigen, nicht zuletzt weil die Beraterbranche als solche im Wandel ist. Der Bedarf nach externer Beratung wird aus meiner Sicht punktueller, spezifischer und vor allem umsetzungsorientierter. In einem solchen Set-up können Freelancer hervorragend unterstützen.

Interessant ist auch die Frage, ob sich die Vergütungsmodelle im Freelancing verändern werden – weg von reinen Tagessätzen hinzu Retainer-Modellen mit größerer Flexibilität oder wertorientierten Deals.

Wie siehst Du Deine eigene Zukunft im Freelancing?

Für den Moment bereitet mir die Tätigkeit als Freelancer enorm viel Freude und ich kann mir aktuell nur schwer vorstellen, das Maß an Selbstbestimmung und Flexibilität wieder aufzugeben. Da ich durch meine Projekte immer wieder spannende Unternehmen und Menschen kennenlerne, schließe ich natürlich nicht aus, dass sich in der Zukunft an der ein oder anderen Stelle eine engere Form der Zusammenarbeit ergibt. 

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