Jutta Rumpel, Head of Corporate Development bei Westwing

Jutta Rumpel, Head of Corporate Development bei Westwing

Die Movemeon-Artikelserie Mitglieder-Spotlights beschäftigt sich mit dem Karriereweg der Mitglieder unserer Consulting-Community.

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Wieso hast Du dich zu Beginn Deiner Karriere für das Consulting entschieden?

Ich bin in einer Familie aus Bankern und Ingenieuren aufgewachsen, in der es eine Menge Vorurteile gegenüber Berater*innen gab. Das Klischee der arroganten Anzugträger, die gestandenen Managern sagen wo es langgehen soll und damit unnötige Mehrarbeit aber keinen Mehrwert liefern, war sehr präsent für mich. Deshalb habe ich die Beratung lange nicht als Karriereoption wahrgenommen.

Während meines Studiums hat mich dann einer meiner Professoren liebevoll in ein Consulting-Praktikum „gezwungen“. Er meinte, dass das eine super Erfahrung für mich wäre. Das war damals bei einer Boutique-Beratung in München mit Fokus auf Change Management. Dort habe ich dann erfahren, dass Du auch bereits als junger Berater Mehrwert liefern kannst, etwa indem Du die richtigen (zum Teil auch unangenehmen) Fragen stellst, neue Methoden und Tools einführst oder Brücken zwischen Abteilungen schlägst.

Natürlich habe ich auch Praktika in Konzernen gemacht, um einen Vergleich zu bekommen. Diese waren mir jedoch zu groß, zu starr, zu bürokratisch und man war nur ein kleines Rädchen im Getriebe.

Wie hast Du dann den Weg zu BCG gefunden?

Nachdem die Beratung für mich als Berufseinstieg feststand, war ich auf zahlreichen Recruiting-Veranstaltungen der Top-Beratungen. Hier war für mich schnell klar – von der Kultur her passe ich nur zu BCG. Deshalb habe ich mich auch ausschließlich dort beworben. Das fanden viele in meinem Umfeld riskant, da die Bewerbungsprozesse bei den Top-Tier-Beratungen sehr anspruchsvoll sind und die Bewerberanzahl hoch. Aber für mich war klar, wenn mich BCG nicht will, dann gehe ich nicht in die Beratung. Und bei BCG war ich letzten Endes auch zehn Jahre lang sehr glücklich.

Was hat Dich in Deiner Zeit bei BCG am meisten geprägt?

Die ersten Jahre waren sehr stressig mit vielen langen Arbeitstagen. Das hat meinen jetzigen Führungsstil allerdings sehr beeinflusst. Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Manager*innen habe ich mir abgeschaut, wie ich Teams führen will – oder eben nicht führen möchte.

Als junge Projektleiterin habe ich zudem mit einem Senior-Partner zusammengearbeitet, der das Beraterhandgewerk zu einer Zeit gelernt hat, als es noch keine Computer gab. Sein Credo: „Versucht zunächst die Fragestellung eures Kunden im Detail zu verstehen und zu durchdenken. Dafür braucht ihr weder 1,000 Analysen in Excel, noch 500 Backup-Slides in PowerPoint. Sprecht mit den Mitarbeitern und Managern und diskutiert im Team.“ Diesen Ansatz habe ich mir bis heute beibehalten – ich rate meinen Teams Zeit im Kalender zum „Denken“ zu blocken. Das mag banal klingen, macht aus meiner Sicht aber einen gewaltigen Unterschied.

Wie verlief Dein weiterer Karriereweg?

Ich habe lange überlegt, was für mich der beste Weg aus dem Consulting ist. Selbst gründen fand ich zum Beispiel immer sehr spannend. Als Frau mit Familienwunsch fehlte mir da jedoch die nötige Sicherheit.

Letzen Endes habe ich einen sehr klassischen Weg aus dem Consulting gewählt: ich wurde direkt von einem Kunden abgeworben. Die Entscheidung für dieses Unternehmen fiel mir nicht schwer: ich hatte kurz zuvor die neue Strategie zusammen mit dem Vorstand entwickelt, die einen starken Umbruch für das Unternehmen bedeutete. Diesen wollte ich aktiv mitgestalten. Außerdem gefiel mir die langfristige Wertekultur als Familienunternehmen dort sehr gut. Bereits während meiner Zeit als externe Beraterin konnte ich ein breites Netzwerk im Management und Mitarbeiterkreis knüpfen. Für mich ein wichtiges Kriterium an meinen neuen Arbeitgeber: dass ich mich wohl fühle und Menschen um mich habe, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Meistens sieht man die Kollegen häufiger als den eigenen Partner.

Während meiner Zeit dort haben wir viele große Projekte vorangetrieben und den Umsatz nahezu verdoppelt. Außerdem bekam ich die Gelegenheit, einige Zeit nach Australien zu gehen. Dort kam dann mein Sohn zur Welt.

Wie ging es weiter zu Westwing?

Zum einen hatte ich den großen strategischen Umbruch bei meinem alten Arbeitgeber weitgehend abgeschlossen, die richtungsweisenden Projekte initiiert. Ich hatte Lust auf neue berufliche Herausforderungen.

Zum anderen hat mir der erste Corona-Lockdown noch einmal mehr bewusst gemacht, wie wichtig die Familie für mich ist. Wir entschlossen uns zurück nach Bayern zu ziehen.

Meine Job-Interviews waren dieses Mal alle remote – eine spannende und neue Erfahrung. Ganz ersetzen kann die Technik den persönlichen Kontakt aus meiner Sicht jedoch nicht – ob die Chemie wirklich stimmt kann man nur von Angesicht zu Angesicht feststellen. Die finale Entscheidung für Westwing fiel daher bei einem „Interview-Spaziergang“ mit dem CEO im Olympiapark.

Welche Aufgaben beinhaltet Deine Position als Head of Corporate Development?

Die Corporate Development Abteilung wird aktuell neu aufgebaut. Ich berichte direkt an den CEO und bin Teil des Executive Teams von Westwing. Schwerpunkte meines Teams werden einerseits cross-funktionale (Wachstums-)Projekte werden (z.B. Themen wie Sustainability, M&A oder Internationalisierung). Darüber hinaus übernehmen wir insbesondere Strategie- und Governance-Themen in enger Zusammenarbeit mit CEO und CFO .

Welche Skills aus dem Consulting helfen Dir in deiner aktuellen Rolle?

  • Strukturiertes Denken, schnelles Einarbeiten in neue Kontexte und das Sichten großer Mengen an Daten/Informationen
  • Die Fähigkeit Dinge klar zu priorisieren: nicht nur bei Aufgaben im Job, sondern auch, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen.
  • Ein gesundes Maß Selbstbewusstsein und Menschenkenntnis: Der Aufbau einer neuen Abteilung bringt immer auch Skepsis im bestehenden Unternehmen mit sich

Welche Tipps würdest Du Consultants geben, die aktuell über Ihren ersten Schritt aus der Beratung nachdenken?

Man sollte sich Zeit für die persönliche Reflektion nehmen: Welche Branchen sind interessant für mich? Welche Ansprüche habe ich an meinen Arbeitgeber, meinen neuen Job, meine Work Life Balance? Wo will ich in 5, 10 oder 15 Jahren sein (beruflich und privat)? Hier helfen Gespräche mit Menschen in eurem Netzwerk, Consulting-Alumni in für euch interessanten Unternehmen und guten Bekannten. Ein guter Startpunkt für mich war immer auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, auch während der Zeit im Consulting. Ich habe beispielsweise zwei Jahre promoviert und mich für viele soziale Projekte eingesetzt, um neue Perspektiven zu bekommen. Das hat mir definitiv geholfen, meine weitere Karriere zu planen.

Darüber hinaus war mir Transparenz sehr wichtig. Deshalb habe  ich meinen Partnern bei BCG klar kommuniziert, dass ich den Weg aus dem Consulting wählen möchte und tolle Unterstützung erhalten.

Aus Sicht eines Managers, der junge Berater einstellt auch folgender Tipp: Eine ausführliche Vorbereitung für Interviews ist unersetzlich. Nur wer sich vorab entsprechend über Unternehmen, Branche, Geschäftsmodell etc. informiert, kann im Bewerbungsgespräch überzeugen. 

Letztendlich ist für einen neuen Vertrag aber die Unterschrift beider Seiten notwendig – also nutzt die Gespräche um möglichst viel über das neue Unternehmen, die Unternehmenskultur, die Führungskultur eures Vorgesetzten etc. herauszufinden. 

Ich habe bei wichtigen Entscheidungen immer auf mein Bauchgefühl gehört – und bisher hat es mich nicht enttäuscht.

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