Mehr Mut bei Bewerbungen – wie können wir Frauen dazu motivieren?

Mehr Mut bei Bewerbungen – wie können wir Frauen dazu motivieren?

Die Wahrscheinlichkeit ein Jobangebot zu erhalten ist für Frauen um 36 % höher – dennoch bewerben sie sich seltener

Unser Arbeitsmarkt ist im ständigen Wandel. Täglich gibt es Veränderungen, neue Karrieremöglichkeiten und dass Menschen für mehrere verschiedene Unternehmen im Laufe ihrer Karriere arbeiten, ist heute viel wahrscheinlicher als früher.

Beeinflusst dies die Art, wie wir nach neuen beruflichen Herausforderungen suchen, uns bewerben und eingestellt werden? Und gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Diese Fragen haben uns dazu inspiriert, über 20.000 Bewerbungen in unserer Movemeon Community zu analysieren – und die Ergebnisse haben uns überrascht.

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Die Wahrscheinlichkeit, als Frau zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, war nicht nur höher – auch in Sachen Performance während dieser Interviews waren die Frauen ihren männlichen Konkurrenten einen Schritt voraus.

Im Schnitt war es für weibliche Bewerber um 36 % wahrscheinlicher, nach ihrer Bewerbung auch eingestellt zu werden. Das müsste eigentlich eine großartige Nachricht für alle Frauen sein – aber dann wäre dieser Artikel hier schon zu Ende. Auch wenn Frauen bei Interviews erfolgreicher abzuschneiden scheinen – um für ein Interview eingeladen zu werden, muss man sich nach wie vor erst einmal bewerben. Und die Realität zeigt: viele Frauen bewerben sich erst gar nicht auf bestimmte Positionen und lassen sich so die ein oder andere Karrierechance entgehen.

Dieser Artikel beschäftigt sich deshalb mit der Frage, welche Ursachen es hierfür geben könnte. Dafür haben wir uns mit den unterschiedlichen Stufen des Bewerbungsprozesses beschäftigt, um etwaige Unterschiede zwischen Männern und Frauen herauszuarbeiten.

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Unsere Untersuchung

Zu Beginn haben wir uns mit dem klassichen Verlauf einer Bewerbung beschäftigt: vom Lesen der Stellenbeschreibung über die Einreichung der Bewerbung, der daraus resultierenden Einladung zum Bewerbungsgespräch bis hin zur tatsächlichen Einstellung.

Ein Vergleich der unterschiedlichen Phasen zeigte deutliche Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern: Frauen sahen sich nicht nur 20 % weniger Jobs als Männer an, sondern bewarben sich auch seltener für Rollen, die sie in Betracht gezogen hatten.

Außerdem ließen sich Frauen im Schnitt mehr Zeit bei der Auswahl der Stellen, auf die sie sich bewerben möchten: durchschnittlich sahen sich Frauen rund 25 % mehr Stellenausschreibungen an, bevor sie sich tatsächlich bewarben.

Frauen bewerben sich seltener – aber erfolgreicher

Trotz anfänglicher Zurückhaltung: nach einer versendeten Bewerbung sah es für weibliche Bewerber hingegen gut aus: die Wahrscheinlichkeit, für ein Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, war 12 % höher – die Bewerbungen der Frauen kamen somit bei Personalern deutlich besser an.

Nach einem Interview den Job tatsächlich angeboten zu bekommen, war für Frauen wiederum 24 % wahrscheinlicher als für ihre männlichen Mitbewerber.

Summiert man diese Ergebnisse kommt man zu dem Schluss, dass Frauen, wenn sie sich denn bewerben, im Schnitt 36 % eher ein Jobangebot erhalten. Männer bewerben sich zwar auf mehrere Stellen, können aber deutlich weniger Stellenangebote für sich verbuchen.

Ergebnis unserer Analyse auf Movemeon

Aber warum bewerben sie sich seltener?

Bevor man die tatsächliche Stellenausschreibung auf Movemeon sieht, sind folgende Informationen für die Kandidaten sichtbar: Gehalt, Industrie, Position, Ort sowie ein Einzeiler (dem sogenannten Hook), der den Job in wenigen Worten ansprechend beschreiben soll.

Zum einen schreckt nicht selten die Frage nach Gehaltsvorstellungen viele Frauen ab. Basierend auf unserer Untersuchung der angegebenen Gehaltsvorstellungen unter Bewerbern, scheinen Männer eher gewillt zu sein, beim Thema Gehalt ein Risiko einzugehen. Frauen bleiben beim Thema Gehalt hingegen bescheiden. Die Gehaltsvorstellungen der Frauen lagen im Schnitt 25 % bei großen Unternehmen und 8 % bei Start-Ups hinter denen der Männer.

Zum anderen scheint unser Stellenmarkt mehr Herausforderungen zu bieten, die insbesondere für männliche Bewerber ansprechend sind (bspw. riskante Start-Ups, operations- oder technologieaffine Jobs). Diese Branchen kämpfen nicht erst seit gestern mit einer Unterrepräsentanz von weiblichen Bewerbern, was ein Grund für den Unterschied im Hinblick auf das gezeigte Interesse an diesen Stellen sein könnte.

Letztendlich könnte es auch am sogenannten Hook liegen. Tendiert der Einzeiler, der die Stellenausschreibung möglichst kurz und kompakt, aber auch ansprechend beschreiben soll, eher dazu, männliche Kandidaten anzusprechen?

Unterschätztes Potenzial

Nicht selten behinhaltet der Hook eine Vorschau auf potenzielle Herausforderungen, die mit dem neuen Job verbunden sind. Viele Studien haben bereits bewiesen, dass Frauen ihr eigenes Potenzial oft unterschätzen. Sie ziehen nur Positionen in Betracht, für die sie möglichst alle Voraussetzungen erfüllen, ganz im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen. Es ist vorstellbar, dass Formulierungen in Stellenausschreibungen oft so verfasst sind, dass sie eher ansprechend für die männliche Wahrnehmung wirken.

Diese Annahmen werden durch unsere Beobachtung unterstrichen, dass Frauen sich seltener bewerben, wenn sie sich mit einer Stellenausschreibung auseinandergesetzt haben. Sie beschäftigen sich eingehend mit den Voraussetzungen und Qualifikationen, die für die Rolle nötig sind. Dies führt dazu, dass sie sich nur auf Stellen bewerben, die eine hohe Übereinstimmung mit ihren Erfahrungen haben. Sie wählen diese Rollen bewusster aus und passen ihre Bewerbung zudem deutlicher an das Unternehmen an. Sie schauen sich zudem eine höhere Anzahl an möglichen Jobs an, bevor sie den tatsächlichen Bewerbungsprozess starten.

Die Konsequenz hieraus ist die oben erwähnte Erfolgsrate der Frauen: wenn sie sich bewerben, schneiden sie im Schnitt deutlich besser im Bewerbungsverfahren ab.

 Frauen erhalten im Schnitt 25 % eher ein Jobangebot

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Wie bereits erwähnt, ergibt sich der größte Unterschied zwischen Männern und Frauen im Interviewprozess. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Bewerbungsgespräch tatsächlich auch ein Jobangebot zu erhalten, ist für Frauen um 25 % höher.

Ein Grund hierfür ist definitiv die sorgfältigere Auswahl der Stellen, auf die sie sich bewerben sowie die daraus resultierende Qualität ihrer Bewerbungen.

Wie bekommen wir Frauen nun dazu, sich auf mehr Jobs zu bewerben?

McKinsey schätzt, dass Unternehmen durch die Einstellung von Frauen einen zusätzlichen Wert von 12 Billionen Dollar zur globalen Wirtschaft erschaffen könnten. Es steht außer Frage, dass es deshalb zu den obersten Zielen des Arbeitsmarktes gehören sollte, sich auf Frauen als Mitarbeiter fokussieren. Der Bedarf an Frauen in Unternehmen wird nicht nur durch den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft in den kommenden Jahren einen immer wichtiger werdenden Aspekt spielen. Bereits heute stellen Frauen 45 % der Beschäftigten.

Wie können sich Arbeitgeber nun besser auf Frauen in ihrem Recruitmentprozess einstellen? Sicher ist: je besser der Bewerbungsprozess, desto besser die Kandidaten, die sich auf Stellen bewerben. 

Unsere Empfehlungen für Unternehmen:

  • Bekommt ein besseres Verständnis von weiblichen Bewerbern, ihren Präferenzen und Kriterien für zukünftige Jobs und passt eure Stellenausschreibungen entsprechend an
  • Betont, dass euer Unternehmen aktiv versucht, für Frauen ein attraktiver Arbeitgeber zu werden (bspw. durch die Unterstützung von Frauen in Führungspositionen oder Programme zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf)
  • Versucht verschiedene Formulierungen für Hooks, testet unterschiedliche Gehaltsgruppen und beobachtet die Resonanz
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Ein bisschen Inspiration zum Schluss

Viele Frauen unterschätzen sich und ihre Fähigkeiten immer noch viel zu sehr. Die Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz wird in den Medien immer wieder thematisiert – aber tatsächlich stehen sich Frauen oftmals selbst im Weg.

Deshalb haben wir einige Tipps zusammengetragen, über die es sich nachzudenken lohnt:

Hört auf, euch selbst auszubremsen

Je früher wir aufhören, uns selbst klein zu reden oder unsere Fähigkeiten zu unterschätzen, desto früher können wir uns auf neue Herausforderungen einlassen.

Sofern es Stimmen in eurem Umfeld gibt, die die altmodische Ansicht vertreten, dass Frauen am Arbeitsplatz nichts zu suchen – oder sich zumindest nicht zu sehr auf ihre Karriere zu konzentrieren haben: ignoriert sie. Führt euch selbst vor Augen, was ihr könnt und zu was ihr im Stande seid. Traut euch zu, neue Karrierewege einzuschlagen und seht berufliche Herausforderungen nicht als Bedrohung, sondern als Gelegenheit.

Verlangt die gleiche Bezahlung wie eure männlichen Kollegen

Frauen verhandeln nach wie vor seltener, wenn es um ihr Gehalt geht. Sie möchten niemandem vor den Kopf stoßen und geben sich deshalb oft mit weniger zufrieden als ihnen zusteht. Gleiche Arbeit muss gleich bezahlt werden und das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Überlegt euch: wenn ihr unfair in Sachen Gehalt behandelt werdet, in welchen Bereichen werdet ihr womöglich noch ungleich behandelt?

Macht euch nicht unsichtbar 

Frauen wollen von jedem gemocht werden. Nicht selten halten sie sich deshalb zurück, um nicht negativ aufzufallen. Leider findet man neue Karrieremöglichkeiten jedoch selten, wenn man sich immer hinter der eigenen Unsicherheit versteckt. Versuche dich aktiver in Meetings zu beteiligen und glaube and das was du zu sagen hast.

Kennt euer Potenzial

In den letzten Jahrzehnten ist für uns Frauen schon vieles einfacher geworden. Dinge, die sich unsere Mütter und Großmütter nur schwer vorstellen konnten, sind für uns mittlerweile Alltag. Doch wir sind erst am Anfang. Wir können noch viel mehr erreichen und darüber sollten wir uns jeden Tag bewusst sein. Erkennt euer eigenes Potenzial und das von Frauen in eurem Umfeld und unterstützt euch gegenseitig.

Es ist noch immer ein langer Weg, bis Frauen auf allen Karrierestufen die gleiche Behandlung wie männliche Kollegen erfahren werden. Unsere Untersuchung zeigt jedoch deutlich, dass Frauen sich selbst mehr zutrauen – und sich öfter auf herausfordernde Stellen bewerben sollten. Dann sind sie sind zweifelsohne erfolgreich!

Hier geht es zum ausführlichen Artikel auf Movemeon (in englisch)

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