Private Equity: 29 Fragen, auf die du eine Antwort haben solltest, bevor du ein Jobangebot annimmst

Private Equity: 29 Fragen, auf die du eine Antwort haben solltest, bevor du ein Jobangebot annimmst

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Die Private-Equity-Serie ist eine Zusammenstellung von Beiträgen und wurde von Quentin verfasst, welcher über Movemeon vom Consulting- in den Private Equity-Bereich gewechselt ist. Alle neuen Inhalte werden auf Linkedin zur Verfügung gestellt. Folge uns, erhalte einen tieferen Einblick und verpasse keine Informationen oder anstehende Events. Du kannst dich auch für unseren wöchentlichen Newsletter registrieren. 

Ein Angebot für die Beteiligung an einem Private Equity (“PE”) zu erhalten, ist angesichts des harten Wettbewerbs ein bedeutender Schritt. Die Verlockung, selbiges, ohne weitere eingehende Prüfung, anzunehmen, ist sehr groß. Allerdings kann das Übergehen dieses Schritts bei der Jobsuche zu großen Enttäuschungen in der Zukunft führen, denn auch die schnelllebige Private Equity Branche bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. 

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29 FRAGEN, DIE DU DIR VOR DEINER ENTSCHEIDUNG STELLEN SOLLTEST

1. Wie viele Fonds und/oder Produktlinien betreibt das Unternehmen? 

Immer mehr PE-Firmen diversifizieren ihre Aktivitäten, indem sie Hedge-Fonds (d.h. Investitionen auf dem öffentlichen Markt) oder Fremdkapitalinstrumente miteinbeziehen. Das heißt jeder Geschäftsbereich erfordert einen bestimmten Ansatz sowie eine spezielle Anlagestrategie. Das kann dir ein Gefühl für die verschiedenen Aktivitätsfelder (in Bezug auf die Art der Investitionen) geben, die auf dich zukommen werden. Aber Vorsicht. Wie in vielen Unternehmen ist es auch hier so: Ein Unternehmen, welches sich über zu viele Sparten erstreckt ist, oft auch ein wenig unorganisiert.  

2. In welche Vermögenswerte investiert das Unternehmen? 

Im Wesentlichen gibt es zwei Arten von Vermögenswerten im Bereich Private Equity: Unternehmen und Infrastruktur. Wie bereits im ersten Beitrag meiner Serie behandelt, unterscheidet sich die Arbeit in diesen beiden Bereichen.

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3. Wie ist die Anlagestrategie des Fonds? 

Jeder Fonds wird sich immer innerhalb eines bestimmten Spektrums positionieren, das von “distressed” (d.h. unterdurchschnittliche Performance und kurz vor dem Konkurs) bis hin zu “high-glamorous” oder “high-growth” Vermögenswerten reicht. Den Preis, den du bezahlst, aber vor allem auch die Aufgaben und Situationen die auf dich zukommen werden, hängen von der Strategie ab. Bei einem Distressed-Fonds solltest du damit rechnen, dass du mit umfangreiche Restrukturierungs- und Kostenkürzungsmaßnahmen befasst sein wirst. Hinsichtlich des Wachstums wirst du einen Großteil deiner Zeit mit der Ausarbeitung von Strategien für die Entwicklung des Umsatzes verbringen. 

4. Wie groß ist der Fonds? 

Wie hoch ist der Sweet Spot des Fonds in Bezug auf den Unternehmenswert oder den Equity Cheque? Wie bereits im ersten Beitrag dieser Serie diskutiert wurde, wird sich deine Arbeit je nach Beitritt zu einem Small-Cap Fonds (ca. <250 Mio. $), Mid-Cap Fonds (250 Mio. $ bis 1 Mrd. $) oder Large-Cap Fonds wesentlich unterscheiden. Der Equity Cheque (d.h. der Betrag, den der Fonds selbst in ein bestimmtes Unternehmen investiert) ist eng mit der Fondsgröße verbunden, da ein Fonds typischerweise zwischen 8 und 20 Investitionen tätigt. Außerdem ist er von dem Unternehmenswert-Sweetspot abhängig, da etwa 50% des Kaufpreises durch die Aufnahme von Fremdkapital bezahlt werden.

5. In welcher Phase des Unternehmenslebenszyklus investiert der Fonds? 

Wie bereits erwähnt, decken Private-Equity-Fonds von der Gründung (Seed oder VC) bis zur Reife (LBO) den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens ab. Du solltest davon ausgehen, dass VCs mehr auf dem “Bauchgefühl” basieren, während LBOs mehr Sorgfaltspflicht erfordern und mit sehr viel finanzieller Strukturierung verbunden sind (fehlt bei VCs, die meistens nur Eigenkapital aufnehmen können).

6. Wo findet man diesen Fonds? Wo investiert der Fonds? 

Ein globaler Fonds begrenzt zwar das länderspezifische Risikopotenzial, jedoch musst du umso mehr reisen, je globaler der Fonds ist. Das ist insbesondere der Fall, wenn das Büro-Netzwerk nicht sehr ausgeprägt ist und beispielsweise ganz Europa nur von einem Büro abgedeckt wird. In der Praxis wird der geographische Zuständigkeitsbereich auf zwei Arten definiert. Zum einen unterzeichnen die Investoren ein Termsheet, welches formell die Investmentbereiche der General Partner (“GPs”, d.h. die Mitglieder des privaten Equity-Unternehmens) definiert.  Zum anderen hat aber jeder GP seine eigene “Komfortzone” in der er sich bewegt und diese stellt oft nur einen Ausschnitt des bewilligten Bereichs dar. Diese Frage gilt es zu beantworten, denn das Ausmaß der Reisetätigkeit und die zu erwartenden kulturellen Unterschiede zwischen den Management-Teams hängen stark von von diesen Bedingungen ab. 

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7. In welche Branchen investiert der Fonds? 

Die meisten Fonds sind “sektor-agnostisch” und werden deswegen ohne Präferenz in alle Branchen investieren. Einige (meist kleinere) Fonds haben sich auf eine oder wenige Branchen spezialisiert, typischerweise auf Einzelhandel oder Technologien.

8. Macht der Fonds Minderheits- und/oder Mehrheitsgeschäfte? 

Wenn der Fonds nur Minderheitsbeteiligungen vornimmt, wird er nur selten die volle Kontrolle über ein Unternehmen ausüben können. Daher solltest du mehr Zeit für die Due Diligence (Prüfung) einplanen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen “so wie es ist” ein gutes Unternehmen darstellt. Diese Situation ist, im Gegensatz zu Hedgefonds, bei Private Equity aber relativ selten.

9. Wird der Fonds auf einer Deal-by-Deal-Basis gebunden oder aufgebracht? 

Ein gebundener Fonds bietet mehr Stabilität und weniger Abhängigkeit von Marktbedingungen. Darüber hinaus kann ein Unternehmen mit dem Ziel einer Deal-by-Deal Finanzierung den Druck verspüren, trotz nicht optimaler Bedingungen, die Dynamik bei den Investoren durch regelmäßige Investments hochzuhalten.  

LEISTUNGSBILANZ

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10. Wann hat die Firma zum letzten Mal Geld gesammelt? 

Diese Frage wird dir ein Gefühl für die Art und Weise deiner Tätigkeit geben. Wenn es sich um einen neueren Fonds handelt (weniger als 2-3 Jahre), solltest du damit rechnen, dass du meiste Zeit mit der Akquisition  und der Durchführung von Deals verbringen wirst. Im Fall eines älteren Fonds sollte das Portfoliomanagement (“Harvesting”) verstärkt berücksichtigt werden. 

11. Hat das Unternehmen mehr als einen Fonds aufgelegt? 

Neue Fonds können aufgrund ihres unternehmerischen Charakters und ihres langfristigen Potenzials attraktiv erscheinen. Ist der erste Fonds erfolgreich, wird der zweite größer ausfallen und eine Erweiterung des Teams könnte erforderlich sein. Allerdings werden neue Positionen in Teams aus dem Private Equity-Bereich häufiger durch externe Einstellungen als durch interne Beförderungen besetzt, so dass man das Karrierepotenzial in diesen Fonds immer mit etwas Vorsicht betrachten sollte.

12. Wie stellt sich tatsächliche Fundraising-Betrag im Vergleich zur Zielsetzung dar? 

Das aktuelle Marktumfeld bietet mehr Liquidität als notwendig.  Wenn ein Fond seine Fundraising-Ziele nicht erreicht, ist es dementsprechend sehr wahrscheinlich, dass er die Gunst der Investoren verloren hat. Eine solche Dynamik ist nur schwer umkehrbar, deshalb ist es ratsam sich von diesen Fonds fernzuhalten. Zwar übertreffen manche Fonds trotzdem ihre Ziele, jedoch werden die meisten Fonds bei Erreichung ihrer Soll-Beträge die Mittelbeschaffung stoppen, um ihre Teams nicht überzustrapazieren. 

13. Wie stellt sich der aktuelle Fundraising-Betrag gegenüber den vorherigen Beträgen dar? 

Das Fondswachstum ist ein klarer Indikator für die momentane und zu erwartende Entwicklung der Teamgröße. Das ist vor allem wichtig, wenn die Investments in den Fonds abgenommen haben. Das zurückhaltende Investmentverhalten gibt Hinweise auf eine sinkende Überzeugung der Investoren im Hinblick auf den Fonds und führt, gesetzt das Unternehmen tätigt nicht noch außergewöhnlich gute Investments, zwangsläufig zu einer Verkleinerung des Teams.

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14. Wie haben sich die bisherigen Fonds entwickelt? 

Gegeben des illiquiden und langfristigen Charakters von Private Equity (Fonds haben eine Lebensdauer von 10 Jahren) dauert es eine gewisse Zeit, bis angeschlagenen Fonds vollständig vom Markt verschwunden sind. Ein Frühindikator stellt das Benchmarking der IRR der letzten Fonds dar. Wenn diese IRRs enttäuschend sind, ist die Umschichtung dieser Fonds in ein anderes Zielland nur eine Frage der Zeit. 

15. Hat der Fonds in letzter Zeit Investitionen getätigt? 

Ein Fonds kann je nach Marktbedingungen sein Investitionstempo verlangsamen oder beschleunigen. Jedoch sollte es schon auffallen, wenn ein Fonds in den letzten 18 Monaten kein Geld investiert hat. Dieser wird mit der Beschaffung von interessanten Deals wohl seine Schwierigkeiten haben. 

16. Wie ist die Zusammenstellung der Limited Partner (oder “LPs”, d.h. der Investoren)?  

Ich habe immer mit “One-LP”-Fonds zu tun, bei denen ein Investor praktisch über Leben und Tod den Fonds bestimmen kann. Meiner Meinung nach sorgt das bei Gegenwind auf Fonds- oder Investorenebene auf der einen Seite für Unsicherheit über die Zukunft des Fonds. Auf der anderen Seite besteht auch die Gefahr, dass Investitionsentscheidungen durch LPs behindert werden können und unnötige Reibungsverluste entstehen.

BUSINESSMODELL

17. Wie groß ist die Firma weltweit? 

Eine klassische Frage. Alle Fonds haben klein und mit viel Unternehmergeist begonnen, jedoch sind manche so stark gewachsen, dass diese Leichtigkeit inzwischen verschwunden ist. 

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18. Gibt es noch andere Büros? Wenn ja, wo? Wo sind die Firmenzentralen? 

Der schlimmste Fall für dich, wäre der Beitritt zu einem US-Fonds, der Europa nicht zu seinem Kerngeschäft zählt und dich deswegen nicht in wichtige Investmententscheidungen miteinbezieht. Glücklicherweise ist London ein starker Finanzplatz und solche Situationen aus diesem Grund selten (zumindest seltener als bei einer Bewerbung in Paris oder Madrid).

19. Gibt es Mitglieder des Investmentkomitees mit Sitz in deiner Stadt? 

Aufbauend auf der vorhergehenden Frage wird die Verneinung dieser Frage wahrscheinlich darauf hinweisen, dass das Büro in erster Linie für lokale Akquise und die Ausführung von Anweisungen des Hauptsitzes eingerichtet wurde. Das verringert die Autonomie, die du in deiner Arbeit genießt und führt zu einem geringeren Interesse an dem Job. 

20. Wie wird die Personalbesetzung organisiert? 

Gibt es Teams, die sich bestimmten Geografien/Branchen/Produktlinien widmen? Mit dieser Frage kannst du einschätzen, ob du dich in einem bestimmten Bereich spezialisieren wirst oder du einer allgemeinen, themenübergreifenden Tätigkeit nachgehen wirst. Beide Ansätze haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, aber du solltest in jedem Fall sichergehen, dass dein Arbeitgeber dich nicht in einer für dich uninteressanten Branche einsetzt.

21. Gibt es ein spezielles Operations-Team? 

Wenn ja, wie groß ist es und was ist dessen Zuständigkeitsbereich und Hintergrund? Wenn es ein solches Team gibt, solltest du dich auf geringere Verantwortung für den kommerziellen und operativen Bereich im Hinblick auf Due Dilligence und Portfoliomanagement einstellen. 

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GESELLSCHAFT & KULTUR

22. Aus welchen Bereichen kommen die Verantwortlichen? 

PE-Professionals kommen typischerweise aus den Bereichen Investment Banking, Beratung, Buchhaltung/Transaktionsdienstleistungen oder Corporate. Die Herangehensweise an Investitionsentscheidungen wird von diesem Hintergrund beeinflusst.

23. Wie würdest du die Fondskultur beschreiben? 

Einige Fonds zeichnen sich durch eine amerikanische Kultur aus, die ich als Franzose als direkt und dynamisch definieren würde.  Andere haben eine eher britische Neigung, die weicher und tendenziell politischer ist. Das bedeutet nicht, dass das eine Kultur besser ist als die andere, jedoch solltest du dir sicher sein, dass die jeweilige Herangehensweise zu deiner eigenen Mentalität passt. 

24. Wie viele Neuzugänge im Team gab es in den letzten 24 Monaten? 

Allein im Investment-Team? Die Frage nach der Entwicklung der Fondsgröße sollte dir helfen, die aktuelle Dynamik des Unternehmens zu erfassen. Ein schrumpfendes Team ist fast immer ein schlechtes Zeichen – entweder verliert der Fonds an Fahrt oder er ist nicht attraktiv genug für neue Talente. 

25. Wie viele Personen haben den Fonds in den letzten 24 Monaten verlassen? 

Wenn man Verträge mit festgeschriebener Laufzeit (z.B. das Associates-Programm) ausschließt, sollte die Abwanderung gering sein. Arbeitsplätze im Private Equity sind selten und im Falle von positiven Zukunftsaussichten und einer interessanten Position tendieren die Mitarbeiter zu einem längerfristigen Verbleib. Folglich lässt eine hohe Abwanderung (d.h. circa 30% der Positionen wurden in den letzten 2 Jahren neu besetzt) darauf schließen, dass eine der beiden genannten Erwartungen aus Sicht der Mitarbeiter nicht erfüllt wurde. 

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26. Wer sind die Hauptgeldgeber des Fonds? 

Wer ist hauptverantwortlich? Jeder Private-Equity-Fonds wird von hoch angesehenen Personen der Investmentbranche geleitet und/oder beraten. Diese Persönlichkeiten fungieren als Aushängeschild und erleichtern die Mittelbeschaffung. Deswegen solltest du bei nicht oder nur schwach unterstützten Fonds vorsichtig sein. 

27. Kann ich den Rest des Teams kennenlernen? 

Private-Equity-Firmen sind kleine Unternehmen und gutes zwischenmenschliches Verhältnis ist noch wichtiger als in der Beratung.  Gerade wenn du mit einem kleinen Kreis von Menschen in mehreren Projekten und über viele Jahre zusammenarbeiten wirst, solltest du dir im Voraus über die einzelnen Charaktere im Klaren sein.

BEZAHLUNG & KARRIEREPLAN 

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28. Wer wird am Carried Interest beteiligt? 

Wie wird der Carried Interest berechnet? Der Carried Interest (d.h. die Performance-Vergütung, die ein Partner bei Erreichung bestimmter IRR-Schwellenwerte erhält) macht einen sehr hohen Anteil deiner Vergütung aus, insbesondere auf Ebene der Führungskräfte. Es ist immer gut, die Höhe der eigenen Ansprüche auf diese Vergütung genau zu kennen. Meistens wird der Carried Interest auf Fondsebene berechnet und aufgeteilt. Einige wenige Fonds (z.B. CVC Capital Partners) sind jedoch für ihre “Deal by-Deal-Carry-Struktur” bekannt. 

29. Was ist der typische Karriereweg? 

Du musst dir über mögliche Beschränkungen in deinem Karriereplan im Klaren sein.  Viele US-Fonds haben vertraglich befristete Associate-Programme, die ein Ausscheiden nach 2-3 Jahren vorsehen. Andere Fonds legen ihren Investmentexperten nach einer bestimmten Amtszeit den Ausstieg nahe, wenn kein Platz für zusätzliche Partner oder leitende Angestellte ist. Deswegen solltest du dir zu Beginn in jedem Fall mögliche Karriereoptionen aufzeigen lassen.  

Das Original dieses Artikels ist hier abrufbar.

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