Wege aus dem Consulting – Robin Reuschel

Wege aus dem Consulting – Robin Reuschel

In dieser Artikelreihe beschäftigen wir uns mit den verschiedensten Exit-Methoden aus der Beratung. Nach fast drei Jahren Consulting bei Roland Berger wagt sich Robin in die Selbstständigkeit mit seinem Messer-Start-up Kleng. Er hat mit Movemeon über seine Beweggründe gesprochen und darüber, wieso jeder seinen “unfair advantage” kennen sollte.

Du warst knapp drei Jahre bei Roland Berger. Kannst Du uns mehr zu Deinen Beweggründen erzählen, die dich über den Exit haben nachdenken lassen?

Die Zeit in der Beratung habe ich sehr genossen – man arbeitet mit so vielen smarten Leuten zusammen und hat die Gelegenheit, das theoretische Know-How aus dem Studium in der Praxis umzusetzen. 

Für mich persönlich war allerdings immer klar, dass die Beratung nicht das Endziel ist. Nach knapp drei Jahren hatte ich Einblicke in viele unterschiedliche Industrien bekommen und konnte erste Erfahrungen in der Leitung von Projekten sammeln. Dennoch hat mich der Gedanke nie losgelassen, einmal “mein eigener Chef” sein zu wollen. Das hat mich dann dazu bewegt, über den Exit nachzudenken. 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dein eigenes Start-up zu gründen? Welchen Prozess hast Du hier durchlaufen?

Etwas eigenes aufzubauen, das Ruder selbst in der Hand zu haben – das waren alles Themen, die mich in der Zeit beschäftigt haben. Natürlich hätte ich auch einfach in ein bereits existierendes Start-up wechseln können, was bestimmt eine vergleichbar steile Lernkurve bedeutet hätte, aber der Gründungsgedanke hat mich nach wie vor nicht losgelassen.

Ich habe mich dann damit beschäftigt, meinen “unfair advantage” zu entdecken – welche Skills habe ich, die ich in ein Unternehmen beziehungsweise in ein Produkt einbringen kann? Für mich lag dieser Vorteil dann tatsächlich ganz nahe – in meinem Heimatort Solingen. Aufgewachsen mit der jahrhundertealten Messertradition, hatte ich das ideale Netzwerk direkt von der Haustür. Also haben wir uns zum Ziel gesetzt das Messer weiterzudenken.

Unsere Idee – ein immer scharfes Messer zu entwickeln.

Das Start-up (Kleng) habe ich dann parallel zu meinem Consultingjob, vor allem an Wochenenden aufgebaut, da ich von Montag bis Donnerstag beim Kunden war. Das war eine sehr anstrengende aber auch besonders lehrreiche Zeit. 

Von welchen Consultingskills konntest Du während der Gründung und nun auch im Arbeitsalltag profitieren?

Wenn ich mich auf eine Sache festlegen müsste wäre es: Aus Unordnung einen Angriffsplan festlegen. In den Anfangsphasen eines Start-ups gibt es keine Blaupause, worauf soll man sich also fokussieren? Was ist das große Ziel?

In erster Linie haben mir Skills wie Strukturierung und Priorisierung, die ich bereits im Consulting gelernt habe, geholfen, verschiedene Projektphasen fokussiert anzugehen. Außerdem habe ich zu bestimmten Zeitpunkten, ähnlich wie in Consultingprojekten, Experten hinzugezogen, die mich in gewissen Entwicklungsphasen unterstützt haben. 

“[…] man hält tatsächlich sein Produkt in der Hand, es ist nicht nur eine PowerPoint.

Was begeistert Dich am meisten an Deiner jetzigen Arbeit? Gibt es Dinge aus dem Consulting, die Du vermisst?

Es macht mir bei meiner jetzigen Arbeit total Spaß, täglich mit komplett unterschiedlichen Menschen zusammen zu arbeiten. Außerdem fasziniert mich nach wie vor das physische Produkt – man hält tatsächlich sein Produkt in der Hand, es ist nicht nur eine PowerPoint.

Durch unseren aktuell laufenden Kickstarter bekommt man außerdem direktes, persönliches Feedback von Kunden. 

Wenn man jedoch sein eigener Chef ist, hat man natürlich plötzlich niemanden mehr, der Dir den Weg weist. Somit haben wir viele Wege ausprobieren müssen, von denen manche sich auch als Sackgassen herausgestellt haben. Im Consulting konnte man hier meistens auf die Erfahrung seiner Kolleg*innen zählen, das fehlt im Gründeralltag manchmal.

Was rätst Du Menschen, die aktuell über den ersten Schritt aus dem Consulting nachdenken? Worauf sollte man achten?

Ich würde sagen: Einfach machen. 

Consultants sind super smart, denken sich Konzepte und Fahrpläne aus. Aber manchmal muss man einfach in die Umsetzung gehen. Worauf ich besonders achten würde:

  1. Cooles Team: Zusammen mit einem Team kann man die Höhen und Tiefen des Start-up-Alltags besser meistern.
  2. Konkreten (finanziellen) Fahrplan entwickeln: Gebt Euch selbst Zeit (mind. 12 Monate) um das Projekt durchzuziehen. Eine gute Finanzstruktur zu Beginn hilft, den finanziellen Druck raus zu nehmen.
  3. Macht euch Gedanken zu Eurem “unfair advantage”: Was bringe ich mit, das andere nicht mitbringen?

Wie geht es für Kleng nun weiter?

Wir sind unglaublich stolz darauf, innerhalb von zwei Tagen unser Ziel bei Kickstarter erreicht zu haben. Nun geht es in die tatsächliche Produktion, denn im März 2022 wird dann ausgeliefert. Innerhalb des nächsten Jahres können wir uns dann hoffentlich mit weiteren Messervarianten beschäftigen, um das Produktsortiment weiter auszubauen.

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